SC21 Shamanic Counsciousness November 2009

by RITA Gumpricht on 23. Dezember 2009

Erfahrungsbericht aus zwei Welten:

Aller Menschengeist ist klein, ob er nun einem Erwachsenen gehört oder einem Kind. Im Weltall verliert er sich wie ein winziges Insekt. Solcher Ameisenverstand reicht nicht aus, die ganze Wahrheit zu erfassen und zu begreifen. Dies ist ein Zitat aus einer Geschichte, die von 1897 bis 1950 jedes Jahr zur Weihnachtszeit auf der Titelseite der New Yorker Tageszeitung „Sun“ erschien.

Unter dem Vorzeichen „schamanisches Bewusstsein“ waren wir, das heißt eine Gruppe von fünfundzwanzig Personen unter der Leitung von Chris Mulzer, in Ägypten, mit dem Schwerpunkt Wüste. Es war die intensivste Zeit meines immerhin fast 70-jährigen Hierseins. Das Größte, das Bewegendste war die Wüste an sich ─ weit, offen, unendlich ─ mitten darin ein paar zweibeinige Pünktchen. Sie hat so etwas Sichselbstverlierendauflösendes an sich, nicht beängstigend, nein. Genauso ist es richtig, genauso soll es sein, für mich. Es war ein gegenseitiges Wiedererkennen, ein ungesuchtes Wiederfinden ─ Freude, Jubel und Glück, dass es fast den Brustraum sprengte, aber ─ die Wüste war nicht alles.
Immer wieder teilte sich der Schleier, der diese unsere Welt von der „Anderen Seite“ trennt und ich war herausgenommen aus der „schein“baren Begrenzung und Festigkeit. So will ich berichten vom Hier und Da, von den zwei Welten, die in und um uns sind, von den Welten, die uns wie zwei erscheinen und die doch eins sind.

Kairotour
Wir sollen verschiedene Energien erspüren. Zu diesem Zweck führt Chris uns zu einigen ausgesuchten Orten in Kairo.
Ibn Toloun Moschee
Weißgekleidete Beter locken mich. Ich darf Chris in diese Richtung begleiten. Das Sufi-Grabmal. Energien durchströmen mich, schütteln den Körper. Ich lege meine Stirn an die Steine, zerreißt es mich?

Nein, es ist wohltuend auf eine ganz eigene Art und doch zerreißt etwas und macht den Durchgang größer, weiter. Auf wackeligen Beinen und innerlich tief befriedigt verlasse ich die Moschee.
Koptische Kirche
Wir sind im koptischen Viertel. Als wir um eine Hausecke herum gehen, erwischt es mich ohne Vorwarnung. Ich werde durchschüttelt. Es ist, als wäre ich an ein Stromnetz angeschlossen. Einige Schritte noch, dann sind wir am Eingang der Kirche. Der stärkste Platz war für mich vor der Steintafel neben dem Ausgang. Immer wieder, ohne mein Dazutun, stand ich mit vorgestreckten, empfangenden Händen da und konnte nicht anders, als mich immerzu und vor wem auch immer, zu verbeugen. Sehr bewegend.
Ägyptisches Museum
Es war großartig die weltberühmten Originale zu sehen, sie zu erspüren, sie zu fühlen ─ aber ─ ich glaube, ich habe zu viel verschiedene Energien durcheinander verkonsumiert. Das war schon ein heftiger Cocktail, der mir heute zusammengerührt wurde. Leicht schwankend suche ich nach dem Ausgang und bin froh für Ossis Arm.
Dann habe ich genug von Kairo, diesem lauten, wimmelnden und staubigen Kessel.

Wir sitzen im Bus, neben uns tobt der Verkehr. Aus einer gerade mal dreispurigen Fahrbahn werden unter Dauerhupkonzert tatsächlich fünf bis sechs Spuren. Ich kann zwischen den Autos keine Lücken entdecken und doch müssen welche dasein. Fußgänger schieben sich durch dieses Gewimmel. Später sagt mir ein Freund: In Kairo musst du immer schön aufpassen, die Taxifahrer jagen alte Frauen. Ja, so scheint es zu sein.
Mir kommt es vor, als würde es Stunden dauern, bis wir endlich die Stadt mit ihrem Lärm, ihren Menschenmengen und ihrem enormen Staub hinter uns lassen. Schemenhaft riesig erscheinen die Pyramiden von Gizeh. Wir lassen alles hinter uns und ich halte Ausschau nach der Weite der Wüste.

WüstenErfahrungen
Zwei Nächte zum Eingewöhnen in einer Oase, tagsüber Fahrten in die Wüste. Endlich. Hierhin zieht es mich mit Macht. Es ist, als würde ich einer jahrtausendealten Liebe entgegenfiebern und ihr wiederbegegnen.

Wir sind auf einem Plateau, übersät mit schieferähnlichen Steinen und Formationen. Wir können uns verteilen und uns als Gruppen oder einzeln verschiedene Übungen machen.
Ich sitze auf dem dicken hohen Felsvorsprung. Direkt vor mir geht es steil herunter, sodass ich nur tief unter mir die Ebene sehe. Ich fühle mich wie ein Adler in seinem Horst und schaue in die Weite. Da, ganz plötzlich öffnet sich der „Schleier“. Ein gleißendes Licht erstrahlt aus der Tiefe des Horizonts und kommt auf mich zu. Dann kann ich erkennen: Strahlend weiß kommt „mein Freund Magavan von der Anderen Seite“ auf mich zu. Er greift in seine Herztasche ─ was immer das auch ist ─ holt Lichtbälle heraus und füllt meine Herztasche mit ihnen.
Dann schaut er durch den Stirnkanal hindurch und legt einen der Lichtbälle hinein. Er greift in das Kehlchakra, holt ein durchsichtiges Gelee heraus und legt auch in diesen Kanal einen Ball. Oben auf meinem Scheitel schwingt einer wie in einem Trichter auf und ab.
Energien durchschütteln mich und ein schreiender Gesang bricht aus meinem Inneren heraus. Nicht ich singe ─ etwas singt mich, etwas bricht sich Bahn durch mich. Ich kenne das, es ist mir vertraut. Habe ich nicht schon vor Ewigkeiten den brennenden Wunsch gehabt, einfach nur Instrument zu sein, gespielt zu werden, einfach nur DA zu sein und geschehen zu lassen? In schamanischen Sitzungen, wenn ich die Ebenen wechsle, bricht dieser Schreigesang aus mir heraus, aber jetzt, einfach so, nur für mich?
Das war DIE Wüstenerfahrung für mich: in geballter Häufigkeit gespielt zu wer-den ─ ich habe es genossen!

Als Magavan anfing, im Solarchakra den Kanal freizumeißeln, habe ich mich bäuchlings auf den Felsen gelegt, ich dachte, die Energie fegt mich in die Weite. Lichtball rein und schon ging’s eins tiefer. Im Sakralkanal lag eingerollt ein Drache, der bekam Lichtflügel. Tief aus der Erde kommt ein BlutFeuerStrom, fährt von unten in mich ein, durchströmt mich und lässt den Ball über meinem Kopf tanzen. Zugleich werde ich durchgeschüttelt von heftigschönen Energien und wieder brülltsingt ES durch mich hindurch mit einer Atemlänge, die nicht von mir, nicht von dieser Welt ist.
Dann wird mir ein Heilritual geschenkt, in dem die Lichtbälle sich selbst zum Einsatz bringen.

Es war berauschend schön, gewaltig ─ wie die Wüste halt!

Der schwarze Berg
Da rauf müssen wir. Sieht jetzt gar nicht so steil aus. War es aber. Eigentlich nur etwas für Bergziegen. Hat sich aber sooo gelohnt.
Jeder sucht sich einen Platz, Chris trommelt. Ich rutsche weg und bin in einer anderen Welt. Ich stehe vor hohen roten Kristallsäulen und atme die rotleuchtende Luft ein. Interessiert schaue ich mir die glattgeschliffenen durchsichtigen Säulen an. Aus jeder der Säulen schaut eine weißgekleidete Wesenheit zurück. Langsam gehe ich weiter, immer an den Säulen entlang. Von innen schweben die Wesenheiten mit. Unsere Augen lassen uns nicht los. Da bedeuten sie mir hineinzukommen und schon schwebe ich durch die kristalline Hülle auf die andere Seite. Die Wesenheiten heißen mich willkommen und pflanzen einen roten Kristall mitten in meine Stirn ─ ich bin angenommen von ihnen und sie bedeuten mir, dass ich ständigen Zutritt zu ihnen habe. In völliger Stille gleiten wir durch diese traumhafte Welt.
Vor mir öffnet sich ein roter Kristallsaal. Der Boden ist ein einziger dunkelblauer Kristall. Er sieht aus, wie ein tiefer spiegelglatter See. Ich lege mich bäuchlings auf ihn und schaue den unter mir Schwebenden in die Augen. Ganz sanft werde ich zu ihnen hineingezogen. Sie berühren mich und legen mir blaue Kristalle auf die Augen. Dann fassen sie meine Hände und führen mich weiter.
Mein Herz macht einen Sprung ─ ich kenne diese grüne Welt.
Schwebend sitzen, sitzend schweben. Durchlässigsein, ohne Konturen, ohne Begrenzung. Sättigende Grüne, nichts fehlt mehr. Magavan, das ist unsere Welt.
Da legen die Wesenheiten einen grünen Kristall mitten in meine Brust und sagen: „Dies ist der letzte Schritt vor der Auflösung,“ dabei zeigen sie voraus auf die nächste Welt. Vollkommene Klarheit öffnet sich vor meinen Blicken ─ und ─ ich sitze wieder auf dem schwarzen Berg, mitten in der Wüste Ägyptens.

Nachts zieht es mich zurück. Ich sehe von innen heraus Menschen zu uns hinein sehen und frage die um mich herumschwebenden Wesenheiten: „Was ist der Sinn des Menschseins?“ Irritiert schauen sie mich an. „Was ist der Zweck des Menschseins?“ Unverständnis leuchtet in ihren Augen. „Was ist der Unterschied zwischen den Menschen außen und uns hier?“ Lächelnd geben sie mir zu verstehen: „Die Menschen wollen leben ─ und wir sind. Sie wollen leben und vergessen darüber das SEIN!“ !“

Glücklich atme ich tief ein und trinke den Sternenhimmel der Wüste. Ja, ich bin und leben darf ich außerdem.

Das Leben ist schön

Orakeltempel in Siwa
Siwa, die westlichste der großen Oasen Ägyptens, ca. 80 km lang und 2-20 km breit. 23.000 Einwohner. Eine altgewachsene Handels- und Tempelstadt. Erste Erwähnung ca. 1.500 vor unserer Zeitrechnung. Das Orakel von Siwa war neben Delphi und Dodona die bekannteste Orakelstätte der Antike. Ihr berühmtester Besucher war wohl Alexander der Große.
Geschäftig ist es hier, bunt, laut, voll mit Menschen, Eseln, Obst, Gemüse, Stoffen, Schmuck, Gerüchen. Ich möchte den Kopf in den Sand stecken und wieder in der Wüste verschwinden, wenn ─ ja wenn die Dusche nicht wäre.
Eine alte Karawanserei, sehr sensibel zu einem Hotel umgebaut, ruhig inmitten der Palmengärten gelegen. Siwa ist von ungefähr 800.000 Palmen und Tausenden von Olivenbäumen durchzogen und eingerahmt.
Ich weiß nicht wann, jedenfalls nach einem genüsslichen Duschen, machen wir uns auf zum Orakeltempel. Schritt für Schritt nähere ich mich in dem alten Gemäuer dem Innenhof.

Bei jedem Schritt werde ich zögerlicher. Ich stehe wackelnd und zappelnd da, schaue in die unter mir liegenden offenen Raumreste und kann mich kaum noch halten ─ da bricht ES sich Bahn und strömt aus mir heraus, laut, schreiend, berstend ─ nicht steuerbar. Bevor ich wankend zu Boden gehe, umfassen mich zwei Arme, bergen meinen Kopf an eine Männerbrust und geben mir Zeit, wieder zu mir zu kommen. Ein Man aus unserer Gruppe stand da, zur richtigen Zeit. An seiner Hand führt er mich weiter in den Tempel hinein. Da ist ja unsere Gruppe ─ im Orakelraum.

Am Eingang lege ich meinen Rucksack ab und Ossi führt mich bis zur hintersten Wand. Ich hocke da, lege das Muschelhorn an und blase, so gut es geht, hinein. Die Energien strömen nur so. Wäh-rend ich das hier schreibe, frage ich mich gerade, ob ich eigentlich noch alle Tassen im Schrank habe? Bei Apollo und Zeus, ich glaub, die sind durch die vielen Energieausbrüche schon herausgeschüttelt worden. An die Wand gelehnt

höre ich den Satz: It’s only the beginning! Ich sitze da, erschöpft, durchschüttelt und das ist erst der Anfang? Jetzt, mit fast 70 soll es beginnen? Jetzt erst stehe ich am Anfang? Wo soll das enden? Aufgewühlt bringe ich mich und das Muschelhorn in Sicherheit, verpacke es im Rucksack ─ und kann mich doch nicht von dem Raum lösen. So gehe ich zurück und frage: Anfang von was? Da strömt aus der Wand ein Feueratem durch mich hindurch und vor meinen geschlossenen Augen erstehen Bergketten. Auf dem ersten Berg entsteht eine gleißende Lichtfeuersäule, auf dem nächsten, auf dem nächsten. Es ist, als würde die eine, die andere entzünden. Erschöpft verlasse ich den Tempel.
Noch ganz unter dem Eindruck des Geschehens trabe ich los zur Kleopatraquelle. Der Weg ist jetzt genau richtig für mich. Ich will allein sein. Später stürze ich mich wie ausgehungert über das Essen und bin froh über das Zusammensein mit den anderen.

Das Sandmeer
Wüstenfahrten, Wüstenwanderungen ─ sie sind das Schönste, das Bewegendste für mich. Das Gehen in der Weite, in der Endlosigkeit. Umgeben von Schwingungen, die mir so sehr vertraut sind, die mich durchfluten, durchströmen, die wie mein Eigenes sind. Stillstehend atmende Meereswogen und doch sich bewegend, sich bewegenlassend vom Wind. Majestätisch in ihrer Klarheit und doch so einfach, so natürlich, so am richtigen Platz seiend. Mit dieser Schönheit ist in meinem Inneren ein unerklärlicher Schmerz verbunden, voll jubelnder Freude und Wiedererkennen und zugleich verbunden
mit einem tiefwehmütigen Schmerz. Was macht die Wüste mit mir? Was steigt da in mir hoch? Welch seltsame Vertrautheit kommt da zum Vorschein?

Vor mir in einiger Entfernung Chris und Mohamedi. Unter meinen Schritten knirschen Steinchen. Hinter mir leises Stimmengemurmel, entfernt. Ich bin in einem eigenen Rhythmus. Sehe und spüre nur die kalkfelsige Wüste, bin versunken. ─
Da stürze ich wie ein gefällter Baum zu Boden. Erschrockene Hände greifen nach mir, helfen mir hoch. Was war geschehen? Neben mir war jemand, der mich ansprach. Worte sind Energien, Buchstaben sind Wesenheiten. Wir sprechen und werden angesprochen. Wir haben uns daran gewöhnt ─ zu unserem Glück. Wir fallen nicht jedes Mal um. Die Wüste löst auf, auch das Gewöhntsein.
Chris führt mich auf einen der Kalkfelsen: Setz dich und warte, was geschieht. Gleißende Weiße, Weite. Von überallher durchströmt es mich, durchschüttelt mich, bricht sich Bahn durch mich, endlich. ES brüllt seinen Gesang an die Wüste durch ein bebendes Rohr hindurch.

Chris führt mich auf einen der Kalkfelsen: Setzt dich und warte, was geschieht. Gleißende Weiße, Weite. Von überallher durchströmt es mich, durchschüttelt mich, bricht sich Bahn durch mich, endlich ─ ES brüllt seinen Gesang an die Wüste durch ein bebendes Rohr.

Pyramide Dahshur
Das fängt ja gut an. Wir sitzen im Bus und fahren Richtung Dahshur. Übelkeit und Schwindel werden immer größer. Unterwegs versuche ich vergebens zu erbrechen und bekomme von Elke Homöopathie. Das ist nichts Körperliches sagt sie, die Pyramidenenergie hat dich schon erreicht. Aus irgendeinem Grund erzähle ich ihr von der kristallinen Welt.
Dann ─ wie ein Berg ragt die Pyramide vor uns auf. Der Eingang ist ziemlich weit oben. Mit aufgeschnalltem Rucksack und Elkes und Ossis (für die, die es nicht wissen, das ist mein Mann) liebevollem Beistand ─ arbeite ich mich hoch, sitze auf einem Stein und wackle vor mich hin. Ich will da rein. Ossi will den Rucksack tragen und ich will ihn nicht abgeben. Ich habe das Gefühl, das kostbare Muschelhorn, das ich in der Wüste geschenkt bekam, mit dem ich in der Früh das Lager wecken darf, muss ich selbst hineinbringen. Mit der Unterstützung der beiden gehe ich ca. 2-3 Meter gebeugt in den Eingang hinein ─ da haut’s mich zurück. Ich muss hier raus. Tief durchatmend sitze ich eine ganze Weile an die Steine gelehnt. Irgendwann öffnet sich der Eingang für mich. Langsam, Schritt für Schritt tapse ich weit vornübergebeugt in die Dunkelheit hinein. Der Rucksack schrappt an der niedrigen Decke entlang. Tiefer und tiefer geht’s. Laute kommen mir entgegen, eine Hand, eine Stimme. Ossi leitet mich unter Deckenvorsprüngen und Absätzen hindurch. Ich sitze irgendwo, lasse mich einhüllen von einer Männerstimme ─ Obertongesang. Die Dunkelheit teilt sich und ein weißgekleideter Priester mit einer hohen spitzen Mütze steht mitten im Raum. Wow, ist der groß. Der sprengt ja die Decke. Da setzten Frauenstimmen ein und der Priester löst sich auf. Schmerzen durchfluten mich. Wieder singt der Mann allein und sofort steht der Priester im Raum. Und wieder verflüchtigt er sich bei den ersten weiblichen Tönen.
Ist er ein Frauenhasser? Nein, hier geht es um das GesungenWerden. Selbstsingen ist hier nicht angesagt. ES will singen. ES will Instrumente, die sich singen lassen. Schöne Stimmen sind hier nicht gefragt. Nichts Eigenes ist hier von Wert. Hier ist es nur hinderlich.
So teilt sich meine Erfahrung in der Dunkelheit zwischen tiefer Freude und Schmerzen.
Im Licht einer Taschenlampe sehe ich dann staunend die spitz zulaufende Höhe des Raumes. Der Priester passt genau hinein.
Der Aufstieg ist leichter und zugleich schwieriger. Energien durchschütteln mich. Benommen sitze ich wieder auf dem Stein. Zwei Damen kommen und arbeiten liebevoll an mir herum. Langsam verebbt der Energiestrom. Elke, der ich ja im Bus von den Kristallen erzählte, raunt mir zu: Die Kristallwelt öffnet sich.
Nach einer herzlichen Umarmung und „Thank you“ geleiten mich Elke und Ossi zu dem tief unter uns wartenden Bus. Einsteigen und sitzen denke ich, da werde ich zurückgerufen. Vor dem Bus steht eine der Damen und hat ein Geschenk für mich. Als ich den Kristall in ihrer Hand sehe, bin ich zutiefst erschüttert. Gerade er wurde mir drüben in der Kristallwelt nicht eingepflanzt ─ nun liegt er hier in meiner Hand, ganz klar und durchscheinend─ ein Gruß aus der Kristallwelt, mir übergeben von einer Amerikanerin vor der Pyramide von Dahshur.
Zu meinem Erstaunen wurde mir später von dem fast nicht zu ertragenden Ammoniakgestank des Fledermauskots erzählt. Nichts davon konnte zu mir durchdringen und mich erreichen.
Nach einer ausgedehnten Mittagsruhe geht es dann nach Gizeh, zur Sphinx und der Cheopspyramide.
Was wird uns, was wird mich, dort erwarten?

Taltempel

Erkennt Ihr ihn? Ja, da steht der liebe Chris. Kurze Zeit später winkt er mich an einen bestimmten Platz hinten an der Rückwand. Ich verliere die Außenwelt und auch mich selbst, bin durchschüttelt und wieder bricht ES durch mich hindurch. Nichts existiert mehr, weder die Touristen, noch ich. Als ich wieder DA bin, will ich nur noch hoch zum Plateau. Auf gleicher Höhe mit der Sphinx beuge ich mich über die Mauer und brülle ihr einen Gruß entgegen. Das schwarze Granitplateau ─ heftig. Noch Zeit im Bus auszuruhen, dann der Aufstieg in die Grabkammer.

Cheopspyramide
Wir sind als Gruppe allein in der Pyramide. Dunkelheit. Das Licht wurde gelöscht. Chris sitzt im Sarkophag und trommelt. Die Wand vibriert. Heftige Schwingungen dröhnen durch den Raum ─ und ich? Ich bin in der Wüste, eine wilde, ungezähmte Frau, jage auf einem Kamel durch die Weite. Hier bin ich daheim. Das ist meine Heimat. Hier gehöre ich hin. Wieder habe ich alle meine Begleiter hinter mir gelassen. Ich bin die Herrin des Stammes und lasse mich nicht einengen. Ich bin stark und mutig. Wer will es wagen, mir seinen Schutz anzubieten. Ich WILL die Weite für mich allein. Hier brauche ich nicht einmal zu atmen ─ hier durchströmt ES mich und atmet durch mich. Nichts fehlt mir, nichts brauche ich, alles ist da ─ pure Glückseligkeit.
Dann ein Schnitt. Ich fühle mich verraten, ich fühle mich betrogen, wie verkauft von meinen eigenen Leuten, von meinem eigenen Volk. Gegen meinen Willen wurde ich eingezwängt in Zivilisation. Aus der Weite in die Enge gezwängt. Wer ich jetzt bin, weiß ich nicht. Ich weiß nicht, ob ich verheiratet bin oder nicht. Ich habe eine Stellung, die es mir erlaubt, mich zu meiner Freude und aus eigenem Interesse, durch einen Priester meiner Wahl in die Lehre des Anubis einführen zu lassen sooft ich will. Ich habe Zutritt zur geheimen Lichtkammer, zur Transformationskammer. Die Geheimnisse der „Anderen Welt“ werden mein Wüstenersatz. Nein, so stimmt das nicht. Sie sind mein Trost und mehr als das. Sie füllen mich an, sie füllen mich aus. Das Licht der „Anderen Seite“ macht mich überfließend, lässt mich das Leben leben, macht es lebbar für mich, versöhnt mich ─ .

Zurück aus der Pyramide geht mir das Herz über. Ja, ich kenne die Wüste. Nun weiß ich, warum sie mir so vertraut ist ─ so herrlich, so schön und doch so schmerzlich.

Wieder in Deutschland
Was macht die Wüste weiter mit mir?
Ich bin in einem Zustand, den ich nur mit den Worten beschreiben kann: Ich fühle mich innerlich gesalbt, innerlich eingeölt ─ ein WUNDERsamer Zustand.
Jede Nacht der gleiche Traum:
Ich stehe in der Wüste und durch mich hindurch brüllt ES sein Lied. Die Energiewellen dringen bis an die Säulen der roten Kristallwelt, verbinden sich mit ihren speziellen Energien und fluten ─ wohin? Dann spricht lautlos eine Stimme: Der Brüllgesang und das Licht durchlöchern die Mauern.
Am ganzen Körper vibrierend wache ich auf ─ .
Während ich dies hier schreibe, steigt eine Erinnerung in mir hoch: Rufer wollte ich sein, die Stimme eines Rufers in der Wüste. Welch seltsames Begehren ─ und jetzt brüllt ES durch mich durch. Wie glücklich mich das macht. Immer wieder habe ich gesagt, erzählt, geschrieben, dass wir Menschen „Mehr als Gott sind“. Wir sind das SEIN, die Quelle ALLES dessen, was ist. Da das SEIN hinter dem Gut und Böse, hinter jeglicher Ver- und Beurteilung ist und hinter jeglicher Personalität, was wir von Gott, so, wie er vermittelt wird, nicht sagen können, sind wir halt M a G s. Und das ist mein Ruf:

Maaags steh auf!

Vor einigen Tagen habe ich geschrieben: Ich fühle mich innerlich eingeölt. Das sagt nicht genau aus, wie ich es empfinde. Ich fühle mich, als wäre ich innen drin einbalsamiert. Das Wort lässt mich nicht mehr los: Einbalsamierung. Ach, du meine Güte, ich habe diesen speziellen Zustand auf die Wüste bezogen, das stimmt so aber gar nicht.
Wir waren in der Grabkammer der Cheopspyramide! In den Sakopharg hinein durfte mein Gesang gebrüllt werden, das Horn durfte ich hineinblasen. Ich durfte den Priester des Anubis und mich selbst sehen, wie ich seiner Lehre lauschte ─ dieser Lehre, die schon lange in mir schwingt, die so voller Licht ist und jegliche Furcht vor dem Tod auslöscht. Natürlich: Anubis ist der Gott der Einbalsamierung!
Eine alte Begegnung steht wieder vor meinen Augen. Ich bin auf dem Weg nach Glastonbury und ganz plötzlich verdunkelt sich die Landschaft, die Luft. Die Geräusche verstummen für meine Ohren. Ich bin herausgenommen aus dem Auto, aus meiner Zeit und stehe in einer dämmerigen Dunkelheit.
Da steht er vor mir ─ hoch aufgerichtet, schwarz, glänzend und schön ─ Anubis, der ägyptische Totengott und Wächter der Mumien. Faszinierend ist er, wie er da vor mir steht in seiner leuchtenden Schwärze, mit seinem Schakalkopf. Er streckt mir seine Hand entgegen und nimmt mich mit. Wir gehen durch schmale Gänge, an Bildern und Hieroglyphen vorbei und treten tief im Inneren in eine Kammer. Seltsam kühle Luft umgibt mich, legt sich um mich herum. Anubis führt mich zu einem der geöffneten Sarkophage. Wie versteift stehe ich da und schaue herab auf das Daliegende. Ein Schauern durchläuft mich. Was ist das? Eine nicht definierbare formlose Masse liegt da. Ich habe das Gefühl, in ein Geheimnis hineinzuschauen. Wie ein dumpfes Grollen erfüllen seine Worte den Raum: „Das, was du hier siehst, ist das Bewusstsein der Menschen. Es muss aufwachen! Ohne das Bewusstsein ist das Leben kein SEIN!“ Mit einer entsetzlichen Ausschließlichkeit schlägt er diese Worte wie mit einem Hammer in mich hinein. Bis in meine Grundfesten erschüttert stehe ich da ─ inmitten einer Unausweichlichkeit. „Furchtbar“ ─ nun weiß ich, was dieses Wort ausdrücken will.
Anubis, du, der du die Herzen der Menschen kennst, du zeigst mir in dieser, fast nicht zu ertragenden Eindringlichkeit, den Mangel an SEIN und damit an Leben in den Menschen.

Dieses Bild habe ich aus Wikipedia kopiert.
Du Meister der Einbalsamierung, du Beschützer der Mumien, bist du es, der unser BewusstSEIN behütet und es bewacht? Du, der Schwarze, verkörperst den Urgrund, die Quelle des unerschaffenen Lichts, in den alles Leben zurückkehren muss, um aus ihm wiedergeboren zu werden, um von Neuem aufzuerstehen. Benommen und aufgewühlt saß ich damals im Auto und habe nach Worten gerungen, um das Erlebte mitzuteilen.
LeuchtSäulen auf den Bergen? Ja, sie werden sich eine an der anderen entzünden. Das BewusstSEIN der Menschen wird heraussteigen aus der Enge in die Weite ─ und es geht weiter, es wirkt nach. Die Energien der Wüste, der Pyramide, kennen weder Zeit noch Raum ─ wie gut für uns, für unser Leben, für unser SEIN.

Aller Menschengeist ist klein, ob er nun einem Erwachsenen gehört oder einem Kind. Im Weltall verliert er sich wie ein winziges Insekt. Solcher Ameisenver-stand reicht nicht aus, die ganze Wahrheit zu erfassen und zu begreifen.

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