Das alte Jahr verabschiedet sich mit oohh und hmm

by RITA Gumpricht on 30. Dezember 2009

Mittags nach U-Bahnfahrt zum Japaner. Das erste Mal für mich. Hübsche, traditionell gekleidete junge Frauen begrüßen uns. Vor uns, hinter Glas, liegen wunderschöne Köstlichkeiten. Ich weiß nicht, was da in den Schalen liegt aber meine Augen sind hier auf eine ganz neue Weise aktiv. Sie rufen bei jedem Blick: Köööstlich oohh, hmm. Also Genuß bevor etwas im Mund und auf der Zunge gelandet ist – das ist eine Erfahrung für sich – aber eine gute.

Sushi, gehört hatte ich schon davon, wusste auch, dass es roher Fisch ist. Ich hatte auch gehört, dass man es auf Anhieb mag oder nicht, vorstellen konnte ich mir nichts darunter. Roher Fisch halt. Wie er riecht, so wird er wohl schmecken und jetzt übernehmen einfach meine Augen das Kommando. Fasziniert schaue ich dem jungen Koch, wenn er sich denn überhaupt so nennt., zu. Nichts sieht hier so aus, als würde etwas von diesen … was soll ich sagen, gekocht. Das wäre fast das Zerhacken eines Heiligtums. Allein die Farben sind ein Eintauchen in Harmonie, in Unterwasserwelten. Zurück zum Zubereiter, nein, Filetier, so möchte ich ihn nennen, ich habe noch niemals gesehen, dass Hände so sanft, so zart mit Fisch umgehen. Ich wäre nie auch nur auf die Idee gekommen, dass das möglich wäre. Ich habe noch keinen Fisch soo angefasst. Seine Finger streicheln das, was da auf dem Brett liegt. Ich suche nach neuen Worten. Ist das überhaupt ein Brett und ist das Messer in seiner Hand noch ein Messer? Was da vor mir abläuft hat mit Kochen nichts zu tun, nicht einmal mit Zubereiten – hier wird Zelebriert. Als dann die, ich wollte gerade dekorierten Stücke schreiben – welch grobe Ausdrücke. Was da auf den Tellern liegt, das sind Kunstwerke, so geschmackvoll geschnitten, der Anblick lädt noch im Nachhinein zum Träumen ein und der Geschmack auf der Zunge hmm.

Ja, ich mag rohen Fisch!

Als krönenden Abschluss genießen wir Grünen Tee Eis – ich schwebe wie auf einem neuen Stern. Das Neue Jahr fängt an mit Genuss pure. Liegt es an der Leichtigkeit des Landes, an der altweisen Kultur? Von hier aus erscheint mir unser Leben, erscheint mir unsere Luft, ja unsere Energie vertrocknet, überholt und reichlich hart. Steckt überhaupt etwas von der genussvollen Leichtigkeit des Seins in uns? Wenn ja, wo hat es sich versteckt?

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