Der Kater in meinen Waden

by RITA Gumpricht on 10. April 2010

Er kratzt und beißt und sticht – vielleicht sind es ja auch „nur“ die Stufen von Ghorepani abwärts. Tausende und tausende, nicht aufhörend. Runter, zwischendurch wieder rauf. Schmal und steil. Manchmal sehen die Stufenpfade wie Mauern aus und da soll ich hoch? Na klar. Wenn ich hier nicht steckenbleiben will, dann muss ich da hoch, dann muss ich weiter.

Tausend Stufen muss ich gehn

Ghorepani und Umgebung ist wirklich eine Schönheit die einen hohen Preis verlangt. Der Auf- und Abstieg ist so furchtbar schwer – für mich jedenfalls: Om namah Shivaja und weiter. Wir steigen ab ins Flussbett. Felsbrocken und dicke Steine ragen aus dem Wasser. Sie sind unser Pfad. Der Stein unter mer rutscht weg und nimmt meinen Schuh und das Bein gleich mit. Vier Hände halten meine Arme und Schultern. Weiter zum nächsten Brocken. Und wieder hoch. Zur Monsumzeit geht’s nur über die Berge. Es muss zwar berauschend sein, den Fluss dann zu erleben, aber auf keinen Fall will ich dann hier sein. Auf den Pfad über die Berge, no! Das muss nicht sein. Ich weiß nicht wann, plötzlich ein Gerät aus einer anderen Zeit: Ein Bagger. Bevor ich mich noch wundern kann: der Pfad vor uns ist weggerutscht. Also die Böschung runter und durch. Eine Weile durch den Dschungel über einen neugeschlagenen Pfad. Wieder runter durchs schäumende Wasser und hochstemmen, nicht runterrutschen. Hinter uns liegen Wasserfälle, vier Stück, eingerahmt von Felsen, riesighohem Bambusgewächs, Schlingpflanzen. Alles ist grün. Unser Pfad so hoch, so schmal, dass ich manchmal Mühe habe, meinen Fuß hinzustellen – und rechts geht’s runter, tief, sehr. Dann die Hängebrücken. Diese ganze Reise macht etwas mit mir. Unterwegs verliere ich Dinge. So auch den Schwindel. Er ist einfach weg. Im Grunde ist alles egal, obs weh tut, ob’s gut tut. Mittag Birethanti. Das Gasthaus an der Ecke. Ich fliege auf den Korbsessel. Kopf nach hinten. Einschlafen. Cool Lemonwater 2x bitte oder 3x. Essen. Hier ist die letzte Station. Von hier mit dem Taxi nach Pokhara. Noch eine halbe Stunde, die es noch mal in sich hat. Die Sonne brennt. Hut und nasse Tücher auf und um den Kopf. Immer wieder ist Wasser da zum Nachfeuchten. Die letzten Schritte hoch. Ich wollt es gäbe einen Kall und ich wäre zu Haus – das erste Mal steigt das in mir auf. So weit bin ich schon? Kopfschmerzen seit heute Nacht. Tabletten. Kurzfristige Hilfe. Ein Schattiger Stand. Palaver mit den Fahrern. Einer will ungedingt unser Gepäck in seine kleine Klitsche drücken: Er kann managen! Autos genug, auch mit Gepäckträger. Ungefähr fünfzehn Fahrer schreien und gestikulieren. Ossi und mir platzt zur gleichen Zeit der Kragen. Raus mit dem Gepäck, das passt nicht. Schluss jetzt, da hilft auch kein managen! Ossi packt sich ein Gepäckstück und: Wir brauchen überhaupt keins von euren Autos, wir fahren mit dem Bus. Blöd starren sie uns an. Wir schultern jeder einen Rucksack und stiefeln los. Was passiert? Ein Auto mit Gepäckträger kommt. Lädt ein und auf geht’s nach Pokhara. Übergeben, Schmerzen, Migräne. Ich sehe und höre nichts mehr.

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