Die ersten Schritte auf chinesischem Boden

by RITA Gumpricht on 3. Februar 2012

Hongkong liegt jetzt schon 5 Tage zurück, also hinter uns. HKG war und ist großartig, je weiter wir aber kommen um so faszinierender wird es. Guangzhou, die Hauptstadt von Kanton, war der Eintrittsort für hochtrabende, von sich überzeugte, besserwisserische, dünkelhafte Europäer. Wahrscheinlich-vielleicht hatten sie sogar Priester an Bord, wie das damals so üblich war, um die Welt zu retten. Ich frage mich nur: Von was? Gestern waren wir zu dritt in einem der 2000 Jahre alten Hügelgräber der Nan-Yue-Könige, das 1983 ausgegraben wurde. Allein das „Totenhemd“, eher den Ganzkörperanzug aus feinen, fast weißen Jadeplättchen mit roten Zwischenstreifen zu sehen, ist ein Erlebnis. Die geschnitzten Drachengürtelschnallen aus Jade, die stilisierten Tiger als Kleiderhaken aus Jade und immer wieder Phönix – es ist, als wäre ein Märchenland versunken, das langsam wieder seine Türen öffnet – und wer eintreten mag, dem wird der Zugang gewährt. Königlicher Hausrat, Beigaben aus Gold und Edelsteinen, runde Jadeplatten in verschiedenen Größen, fein ziseliert, unter und neben und auf dem König, Weinkübel, Schmuck, Siegel in mehreren, von gewaltigen Steinquadern eingefassten Räumen und zur gleichen Zeit sah ich die Germanen durch die dichten Wälder huschen … Dann die Hallen der Tempel – Buddha schwebt in den Räumen. Feinste Energie ist gegenwärtig, aber so unauffällig sanft durchdringend und körperfüllend, so berührend und bewegend. Wenn dann die Mönche ihre Zeremonie beginnen, die tiefen Trommelschläge, die Gesänge, der Duft des Räucherwerks, wenn dann die Rauchschleier das Gold zum Schwingen bringen, die hingegebenen Gesichter der Tempelbesucher … das ist auch China, zu finden mitten in dem Gewimmel der mehr als 12 Millionenstadt Guangzhou. Kristallpalast – nicht von der baulichen Schönheit her, aber gefüllt- oder wie ich es irgendwann empfand – total verseucht mit so hochschwingenden Energien, dass ich auf die Straße geflüchtet bin. Wobei geflüchtet nicht das rechte Wort ist. Ich wärs ja gern, meine Beine und mein Wahrnehmungsgefühl ließen nur ein langsames weg-wanken am Arm eines netten jungen Mannes mit schönen braunen Augen zu. Und, nein, es war kein Chinese, es war der Andre aus unserer Gruppe. Der riesige Komplex ist gefüllt mit den schönsten Kristallen und Amethysten und Bernstein und Türkisen … ich habs nicht alles gesehen. Und Zeugs gibts – Klamotten vom edelsten und schönsten in allen Preisklassen, vom Original bis zur Nachahmung. Mir ist die Ehrlichkeit der Chinesen aufgefallen. Sie zeigen und sagen ganz offen: Nachahmung  1., 2. + 3. Klasse, also für jeden Geldbeutel etwas. Bis jetzt hat keiner eine „so genannte Fälschung“ als Original verkauft. Warum auch? Sie sind in einem anderen Muster als wir gestrickt. Für sie, so scheint mir, spielt das Gefallen eine größere Rolle, nicht die Jagd nach dem und der Anspruch auf das Original. Ich finde das herrlich unkompliziert.
Wo ai zhong Guo – ja, ich liebe China!

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