Ghorepani

by RITA Gumpricht on 8. April 2010

Bratkartoffeln mit Zwiebeln und Ei, saftiger Kuchen, Masalatee, ein Platz am Fenster, das MacBook und eine Aussicht! Die Sonne ging heute morgen gegenüber dem Daulagiri auf und ließ ihn erstrahlen. Je höher wir kamen umso größer wurde er. Jetzt sitze ich hier in 2900 Meter Höhe in Ghorepani, erschöpft, aber wohlig. Gleich wartet eine Massage auf mich, die wird mir die Strapazen schon herauskneten – hoffe ich. Der Weg hierher war bis jetzt der schwierigste. Stufenpfade. Abenteuerlich. Anstrengend. Berg hoch, Berg runter. Den Hut tief in die Stirn gezogen, dann kann ich nur den nächsten Meter sehen. Schau ich doch einmal unter der Krempe hervor um den Pfad abzuschätzen, fährt mir ein Lachen oder Scheiße-Scheiße durch die Glieder. Die einzelnen Stufen sind so hoch, so durcheinander, schrauben sich unendlich – ich will die Schwierigkeit vor mir nicht sehen. Wenn meine Konzentration nur auf den einen Meter vor mir gerichtet ist, geht alles leichter. Eine Mulikarawane kündet sich glöckchenklingelnd an. Sie kommen von unten, leichtfüßig steigen sie die Stiegen hoch, ich wünsche mir noch zwei Beine dazu und schon sind sie verschwunden. Die ersten Rhododendronbüsche. Übersät mit Blüten in dunklem Kirschrot, leuchtend und dick wie Bauernhortensien. Je höher wir steigen um so üppiger und größer werden sie, nicht die Blüten, die Büsche. Dann sind wir umschlossen von einem Märchenwald. Uralt, verwunschen, mystisch. Die Stämme und Äste bizarr verbogen, vermoost, 15-20 Meter hoch und über und über mit Blütenbällen bedeckt. Das Rauschen der herabschäumenden Wildbäche tut das seinige zu dieser besonderen Stimmung dazu. Gleich kommt Gimli mit seinen Freunden um den nächsten mit Moos überzogenen Baumstumpf hervor und gewährt uns gnädig Durchlass durch sein Reich. Oder ist er hier der Wärter des Feenreiches? Ich lege meine Blüte als Wegegeld in einen Wurzelrest hinein. Wir gehen durch einen Traum – aber um welchen Preis! Das Steigen ist wirklich heftig. Immerzu die Stufen. Gebaut für Riesen mit riesigen Schenkeln und nicht für „normale“ Menschen. Zwischendurch, zu meiner Freude, immer wieder mal ein Rasthaus. Apfelkuchen und Tee, köstlich. Gespräche in Deutsch. Anschriften austauschen macht Freude. Und weiter. Sechs – sieben Stunden lang. Und jetzt sitze ich hier und schaue staunend auf die Blütenpracht hinunter. Der Berg vor mir und der hinter mir, sie sind von Rhododendronbäumen überzogen. Mit einer Blütenpracht, dass ich mich nicht sattsehen kann an diesem rosaroten Wald. Dieses Erlebnis ist jeden Preis wert.

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