Halbiert

by RITA Gumpricht on 7. März 2010

Eine halbierte Pizza kann man wieder zusammenschieben aber diese Dörfer? Fünf Stunden über Land: Schnellstraßen die Schneisen mitten durch altgewachsene Dörfer gerissen haben. Manche der schon gemauerten Häuser sind mittendurch geschnitten – und das Leben in ihnen wird weitergeführt – so einfach geht das hier. Der kleine Dorftempel steht mal auf dieser Seite oder der anderen. Die Ochsen und Kühe ziehen weiter ihren altbekannnten Pfad. Es stört sie nicht, dass statt des Grases jetzt Asphalt unter ihren Hufen ist. Die Autos stören schon mal gar nicht. Hunde erwischt’s schon mal, aber jeder hütet sich und sein Auto vor einem Zusammenprall mit’nem Ochsen. Hier gibt es Straßennschilder mit rennenden Männern drauf – sieht lustig aus, lässt aber tief blicken, sie rennen wirklich, von einer Seite zur anderen. Die Feldkarren sind so überbeladen, dass der Ochse, der mit den vier Beinen, fast nicht zu sehen ist, auch sein Begleiter nicht. Und wenn das Feld auf der „falschen“ Seite liegt, dann trotteln sie eben als Gegenverkehr – so einfach ist das hier. Am Randstreifen liegen braune Dungpizzen zum Trocknen. Sieht wirklich wie eine dicke Pizza aus, nur dunkler und ohne Belag. Die trockenen werden in runden Mieten gestapelt. Ein wichtiges Brennmaterial. Manche Dorfhäuser sind noch im traditionellen Stil erbaut: geflochtene Palmwedel als Wände, mit getrocknetem Schilfrohr gedeckt. Zweckmäßig und schön anzusehen. Die „modernen“ Ziegelhäuser allerdings: fleckig und stockig. Ich meine den Muff bis ins Auto zu riechen. Dabei überrascht es immer wieder aufs neue, die schönen und gepflegten, in ihre Saris gehüllten Frauen und Mädchen zu sehen.

Previous post:

Next post: