Indra

by RITA Gumpricht on 12. März 2010

Ich bin wirklich kein Freund der Städte, ob hier oder in Deutschland, das ist das Gleiche. Ich mag die Menschenansammlungen nicht lange um mich herum haben. Wenn ich mich in ein ruhiges Hotel wie das unsrige zurückziehen kann, auf eine grüne Insel sozusagen, dann sind einige Tage in Ordnung. Eineinhalbmillionen Menschen leben in KTM, das ist natürlich spürbar. Ich sehe und schaue und denke: Arbeitet Indien an mir? Arbeitet unsere ganze Reise an mir? Es hat sich etwas in mir verändert. Oder ist das allein schon Nepals Einfluss? Ich schaue mir die Straßen, die Häuser, den Staub an und sehe nicht mehr das, was ich vorher sah. Wenn ich hier geboren wäre, dann wäre alles was ich sehe, das Normalste der Welt. An was würde ich Anstoß nehmen – jeder Schritt, jeder Blick wäre mir ja vertraut. Während dieser Gedanken hat sich die Umgebung geändert. Wir fahren durch eine ländliche Gegend. Grüne Felder umgeben alte Bauernhäuser. Stroh- und Dunghaufen, Holzstapel, vorwiegend Frauen, die auf ihrem Kopf riesige, in Tücher eingewickelte Viehfutterberge auf dem Kopf tragen. Das Tal ist bebaut mit Kartoffelfeldern und jedes einzelne ist eingerahmt mit gelbblühenden Raps. Grüngelbe Muster durchziehen das weite Katmandu-Tal. Die Straße führt uns immer höher. Die Felder werden kleiner, schmaler. Hier beginnen die Terrassenfelder. Je höher wir kommen, umso schmaler werden sie. Auf jedem Zentimeter ist etwas angebaut und wenn es nur ein Streifen von fünfzig Zentimetern ist, er leuchtet Grün und ist umrahmt von seiner goldgelben Rapsschnur. Wir machen Halt in einem alten Dorf. Santosh bringt uns zu einem alten Tempel mitten auf dem Dorfplatz. Das hier ist eine Indra-Gegend erzählt er mir mitten in mein Schütteln hinein. Indra – Maghavan – Du Weißglänzender, strahlender als die Sonne, endlich liege ich einmal vor deinem Tempel, Du König der Götter. Ich erzähle Santosh, was ich Ihn in einer Vision sah und schnell wie der Wind gibt er es an die Dorfbewohner weiter, die sich um uns versammelt haben. Wir müssen unbedingt einen zweiten Tempel besuchen, etwas außerhalb des Dorfes. Da packt ES mich wieder. Schüttelnd sinke ich hier nieder und dann geht die Shanka los, mit einer Lautstärke, mit einer Atemlänge. Dann reißt ES mir den Oberkörper und die Arme hoch und immer noch schallt Es durch mich hindurch. Ein älterer Mann steht da und lacht mich an. Solche Sachen macht Indra. Er schüttelt dich, er bläst die Shanka. Wir wissen das alles, aber niemals sahen wir es, du trägst Kraft in dir, die nicht die deine ist. Ja, so sind die Erlebnisse auf Reisen. So kann es gehen, wenn wir den kleinen Preis bezahlen wollen, wenn wir bereit sind unsere Komfortzone zu verlassen, wenn herauskommen aus unseren selbstgesteckten Grenzen.

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