Nebelberge – Wolkenseen

by RITA Gumpricht on 10. Februar 2012

Raus aus der Großstadt – wobei ich nicht einmal weiß, ob Guangzhou nach chinesischem Maßstab schon zu den Großstädten gehört. Ungefähr eintausend Kilometer liegen vor uns. Irgendwann vermischen sich die Randgebiete der Stadt mit dem Ländlichen. Die Berge, die am Rand zu sein schienen rücken immer näher und wieder einmal bin ich erfreut über das, was China mir schenkt. Beim näher kommen faltet sich das Grün der Berge auf. Die dunklen Kiefern lassen das Rot ihrer Stämme durchblitzen und immer wieder schiebt sich das ganz andere Grün der Laubbäume dazwischen. Das alles wird durchzogen von dem flimserigen Laub des Eukalyptus. Und dann, dann kommt etwas, das mein Herz jedes mal berührt (und von diesen Momenten gibt hier viele), goldgrüne fedrige Bambuskolonien durchziehen das Grün. China ist das Bambusland für mich. Hier, in diesen Bergen scheint seine Heimat zu sein. Hier verschmilzt er zu einer Einheit mit den fremdartigen Silhouetten der Berge. Ich sitze im Auto und höre sein ganz besonderes raschelndes Flüstern durch die geschlossenen Scheiben hindurch. Sein Flüstern ist lauter als die Stimmen um mich herum – und dann geschieht es – der Nebel steigt herauf. Nein, nicht eigentlich Nebel. Weiße Wolken umspielen die Bergkuppen, fließen die Hänge hinunter, umspülen dunkle erdfarbene Dörfchen. Die niedrigen Häuser scheinen sich in die Wolkenfelder oder -flüsse hinein zu schmiegen. Aus dunklen Kiefern scheint das Weiß zu steigen. Der Himmel liegt in den Tälern und webt seine durchscheinende Struktur um die scheinbar festen Erdendinge. Sind sie noch fest? Mir scheint, alles löst sich auf und ich mit ihnen.
Ja, China gibt mir immer wieder das, was mein Herz in seinen tiefsten Schichten anrührt. Alte Bilder, Tuschebilder, mit den typischen zerklüfteten dunklen Bergen, Wolken verhangen und Wolken umweht steigen aus meinen Inneren hoch. Es scheint mir, als hätte ich diese Berge durchwandert, allein oder mit einem Büffel an meiner Seite, um zu malen und zu schreiben – ich liebe dieses Land! Knüpfe ich an eine alte Freundschaft an? Erneuere ich oder verbinde ich alte Erinnerungen mit heutigem Wiedersehen?

Ja, das Leben ist schön und ich liebe es!

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