Oma in der Kiepe

by RITA Gumpricht on 9. Mai 2010

Jetzt bin ich mit dem Nachtragen durcheinander gekommen und ich weiß gerade nicht wie ich den Fehler beheben kann. Schaut mal, ob ihr euch hineinfinden könnt. Die müsste der 6. Tag des Treksgewesen sein. Viel Vergnügen.

Ich schaue in den Himmel, sehe die Wipfel der bizarren Urwaldriesen. Moosbewachsen und behangen mit Flechten und von Lianen durchzogen recken sie sich an den steilen Abhängen der Schlucht dem Licht entgegen. Abgestorbene Strünke dienen neuen Trieben als Grundlage. Orchideenpflanzen hängen wie Schleier an den Ästen. Unter mir spüre ich seine Beckenknochen. Elastisch und in ständigem Rhythmus bewegen sie sich unter mir. Rechts, links. Immer zu. Ich spüre seinen Atem. Seine Rippen dehnen und ziehen sich zusammen. Dabei redet er ununterbrochen. Ich lasse seine, mir unverständlichen Worte an mir vorüber rauschen. Manchmal atmet er tief knurrend ein. Die Vibration seiner Lunge spüre ich dann unter meinem Rücken und seine Wärme. Wenn ich mich übergeben muss, steht er still. Ich beuge mich über den Korb und lasse den Schwall herausfließen. Dann geht es weiter. Hoch und runter. Immerzu. Immer wieder rutschen meine Schuhe von der Schnur herunter und mein Po hinterher. Dann kann er nicht laufen. Raj, dessen Hand ständigen Kontakt mit meinen Knien hält, schiebt die Füsse wieder auf die Schnur. Auf dem nächsten Felsvorsprung wird der Korb abgesetzt, ich werde zurecht gerückt und auf seinem Rücken wieder nach hinten gelehnt. Ich bin froh, dass ich nur rückwärts schauen kann. Den Weg bin ich heute morgen schon gegangen. Ich weiss, wie schmal der Fusspfad ist. Wie uneben neben dem Abgrund. An manchen Felsvorsprüngen helfen Raj und Chandra. Der Korb in dem ich sitze, ist zu breit. Aber immer wird alles passend gemacht. Dann löst sich die Kiepe langsam auf. Sie wurde in Himalaya für mich zurecht geschnitten und hat an Festigkeit verloren. Die Bambusstäbe drücken gegen meine Hüften und wieder rutsche ich heraus. In der nächsten Ansiedlung halten sie Ausschau nach einem zweiten Korb. Schneiden einen Einstieg hinein, stecken den ersten rein, verstärken noch mal die Bambusstäbe und weiter geht’s. Wir müssen heute noch nach Bamboo, da gibt es die nächste Übernachtungsmöglichkeit. Wieder hinein in die Dämmerung des Dschungels. Von unten rauscht laut der Moody-River. Der kleine zierliche Mann trägt mich mit einer Sicherheit, mit einer Selbstverständlichkeit, als hätte er sein ganzes Leben nichts anderes getan. Die Dämmerung wechselt zur Dunkelheit. Raj knipst seine Lampe an. Heftiger Protest des Trägers. Das Licht irritiert ihn. Er will im Dunkeln laufen. Bamboo. Ich werde ins Bett verfrachtet, in den Schlafsack gesteckt, Wärmflasche rein, noch einmal Medizin und dann – wimmere ich leise vor mich hin.

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