Schon Weltkulturerbe?

by RITA Gumpricht on 10. März 2010

Noch immer beschwingt sitzen wir nach dem Frühstück im Garten. Da kommt Raj, der Chef der Touren, mit einem äußerst sympathischen jungen Mann – Santosh, unser Bergführer. Ist das ein feiner Bursche. Raj erzählt uns, dass er den Santosh, der nur Bergführer ist, für uns freigestellt habe um uns im KTM-Tal zu begleiten. Welch eine Freude! Wir haben schon so viel von Santosh gehört, haben uns so auf ihn gefreut und jetzt ist er schon hier und begleitet uns in die Altstadt, zum Durbar Square, dem alten Palastplatz. Rund um diesen Platz sind Tempel und Schreine von ungewöhnlicher Schönheit zu sehen. Die Holzschnitzereien sind so schön, zeugen von einer alten Kunstkultur, dass ich nur staunend davor stehen kann. Ja – wenn ich denn mal stehen kann. Meist wanke ich von Schrein zu Schrein. Wanke die hohen Stufen hoch und kann es nicht lassen, mich vor den Gottheiten zu verbeugen – und was ist der Dank? Sie hauen mich aus den Socken obwohl ich barfuß bin. Hoch oben stehe ich auf einem steilen Sockel, da reißt Es mich und die Conch geht los … ich rutsche an der Wand runter, sitze auf dem Boden und in einer Menschentraube. Unten versammeln sie sich. Ein Polizist kommt und schaut und grinst und fragt. Yes, alles ist ok. Mann, o Mann.

Kumari Chowk, ein einziges Kunstwerk mit einem wohltuenden Innenhof, so schön, so harmonisch erbaut mit seinen roten Ziegeln, seinen Schnitzereien. Wohnt hier die kleine Kumari, die lebende Gottheit? Ich weiß es nicht. Sie darf ihr Heim nur zehnmal im Jahr verlassen um unter anderem dem Staatsoberhaupt ihren Segen zu erteilen. Bis zur ersten Periode darf sie ihr Amt als Verkörperung der Göttin ausüben, dann wird sie von einer Nachfolgerin abgelöst. Chaitee trinken wir hoch über dem Treiben des Andenkenmarktes. Unter uns wirbelt ein buntes Gemisch aus Farben und Gerüchen und Geräuschen. Kühe liegen zwischen Scharen von Tauben. Ihr Gurren erfüllt die Luft. Kreischende Affen werden von Hunden gejagt und retten sich springend und balancierend auf die durchhängenden Stromkabel. Sadhus mit kunstvoll bemalten Stirnen stellen sich dem Fotografen, posieren ungefragt und wer sie sieht, kann nicht widerstehen, so malerisch wirken sie. Dann kommt der ausgestreckte Arm und das Money- Moneyzeichen. Zehn Rupien? Da können sie nur herzhaft lachen. Unter Hundert verkaufen sie sich nicht.

Katmandu ist so schön, ist ein solch großartiges Kulturerbe, das erhalten werden sollte um nicht zu sagen: muss. Wenn es noch nicht zum Weltkulturerbe gemacht wurde (was ich nicht weiß), dann wird es höchste Zeit. Nepal allein, kein Land allein, kann diese Kunstwerke erhalten. Weniger Krieg, weniger Waffen, weniger Militär und weniger Säbelgerassel, weniger von all dem Vernichtungszeug und Geld wäre da, um die Schätze der Alten, die Zeugen der Menschheitskultur zu erhalten.

Nachtrag:

Wäre das nicht auch eine sinnvolle Investition, eine sinnvolle Geldanlage für die reichste Firma der Welt? Vielleicht erreichen diese Gedanken ja mal den Firmenchef: den Heiligen Vater. Ob er wohl zur Umstrukturierung seines ganzen Apparates bereit ist? Das wäre auf jeden Fall sinnvoller, als Kampagnen gegen Präservative in Aids verseuchten Gegenden zu führen! Vielleicht passt aber gerade das nicht in das Schema, denn dann hätten wir ja Zeugen der Größe des menschlichen Geistes.

Previous post:

Next post: