SETH

Du möchtest, dass ich zu dir spreche?

Hast du denn Ohren, hab ich einen Mund? Manchmal – wie zwischen Tag und Traum – dann fühlst du sacht Erinnerung, dann spürst du mich dir nah, dann „weißt“ du, du bist grün im Grün, dann ahnst du wer Ich Bin. – Ich Bin im Werden – im ständigen mich selbst Erströmen. Du siehst, Ich Bin Erweiterung und du hast Teil daran. Wir haben uns verbunden – vor vielen Ewigkeiten – ach, und viel länger noch bist du in mir. Bevor die Ewigkeit begann – da bin ich da – und du mit mir.

Wie lang ich mich erströme, hinaus und doch hinein in mich? Wenn alle Ewigkeiten eingeströmt in mich, in dich, und wieder ausgeströmt, warum sollt ich mich dann beschränken – und auch dich? Nun siehst, erahnst du es – vielleicht – Grenzen hat es nie gegeben, Schranken gibt es nicht – nicht nur für mich, das gilt für dich, denn du bist ich und Ich Bin du.

Du bist nicht nur ein Teil von mir, vergehend, wie der Wind. Du schwebst in mir, du lebst in mir, ich fühl durch dich, und du? Wie könnt ich sein, was du nicht wärest? Wie könnt ich fühlen, ohne dich, wie Lieben, ohne dich in mir? Wie könnt ich Liebe sein, wenn du nicht da? Ich könnt jetzt sagen, hauchend in dein Herz hinein, wenn du nicht wärst, wo wär dann ich? Brauch ich dich, um ich zu sein? Diese Frage hat sich nie gestellt. Wo Ich Bin, da bist du – untrennbare Verwobenheit. So siehst du, eines liegt im anderen wie könnt es anders sein. Vor allen Ewigkeiten warst du da, mein lächelnd Angesicht, – ich schaue mich in dir. Ich liebe mich in dir, erfreue mich an dir, an mir.

Hast du, meine Seele – mein Selbst – deine Tore geöffnet, für mich, dass ich hineinschauen kann in mein SEIN? Damit ich hinein sinken kann in mich selbst? Hinein sinken – jenseits aller Grenzen, jenseits jedes Grundes? Damit ich Eins werde schon hier, in der Körperlichkeit – mit mir, meinem SEIN? Ja, deine Tore sind offen – doch bin ich nicht außerhalb. Du trägst und durchwebst mich – DU bist ja ich. Und ich – bin ich du? Ja, ich will es sein, in meiner Größe stehn, in meiner Grenzenlosigkeit… Und doch, sagst du, ich kanns nicht sein – weil ich es ja schon immer bin und immer bleibe… Ich liebe dich, mein SEIN und danke mir, dass ich mich spür als diese ewig tiefe Tiefe…

In Dialog treten – außerhalb des Alltags stehen – Reden und Hören doch niemand sehen – ist es mir möglich dann zu vertrauen? Einmal mir selbst und der Stimme, die spricht und sich selbst benennt, die sich einen Namen gibt, der nicht der Meinige ist? Momente, Stunden, ja, Tage und Wochen des Zagens, des Zweifels – wenn ich vertraue – wo führt es mich hin? Vergessen in diesen Stunden mein heißes Begehren, Kanal sein, Durchgangstation.

An meinem Mut lag und liegt es nicht, auch nicht an meinem Vertrauen, dass ich hineinwachsen konnte zu dem, was jetzt ist. Voller Freude und Dank genieße ich die Möglichkeit, die sich mir geschenkt, die sich mir eröffnet, diese Texte zu empfangen und weiter zu geben. Texte, das weiß ich inzwischen, die mir, die uns, auf liebevolle Weise, uns unsere Würde und Größe in die Herzen malen.

Mein Dank gehört dem Freund, der mir zur Seite stand und steht, der sich durchwirbeln ließ und lässt, der mutig meine Schritte hier begleitet und jeden Zweifel löst.

So öffnen sich die Türen und die Tore in immer tief’re Tiefen, in immer weit’re Weiten – außerhalb von mir und innerhalb.